Buchrezension: Richard Dawkins - Der Gotteswahn

Richard Dawkins Bestseller “Der Gotteswahn” (engl: “The God Delusion”) darf in keinem Bücherregal eines Atheisten fehlen! Der eloquente Argumentationsstil des Oxford-Professors ist bereits heute legendär.

In diesem Buch rechnet Dawkins nicht nur mit Gott, sondern auch mit den Religionen und deren diversen Behauptungen ab. Dawkins ist ein Feind der Religion und macht auch klar, warum. Mit Worten, die im Zusamenhang mit Religion harsch klingen, erklärt er, warum er die Etikettierung von Kindern als “Christen” oder “Muslime” mit Kindesmissbrauch gleichsetzt oder warum der christliche Gott in seinen Augen ein solches Scheusal ist.

Auch die Frage, ob man die Religion zur Gewinnung von Moral benötigt, beantwortet Dawkins mit klaren Worten.

Was aber ist mit den Gottesbeweisen, die von religiösen Menschen immer wieder angeführt werden? Natürlich kommen auch diese nicht ungeschoren davon. So entzaubert Dawkins nicht nur konsequent die “Beweise” des Thomas von Aquin, sondern ebenfalls weitere Argumente wie die Existenz der Heiligen Schrift oder das gelegentliche Vorkommen religiöser Wissenschaftler.

Auch woher die Religion überhaupt stammt und wie sie trotz ihrer offensichtlichen Mängel über die Jahrtausende überleben konnte, bleibt nicht ungeklärt. Eine mögliche Erklärung ist, dass die Religion eine Art “Beiprodukt” des evolutionsbiologisch wichtigen Gehorsams von Kindern gegenüber den Eltern darstellt.

Was Dawkins mit seinem Buch erreichen will, macht er im letzten Kapitel klar. Die elegante Metapher der Burka, deren Sehschlitz im Rahmen einer Bewusstseinserweiterung Stück für Stück erweitert werden soll, fasst das Ziel des Buches überzeugend zusammen.

Wer der Religion immer noch Positives abgewinnen kann, wer sich ohne Religion kein moralisches Miteinander vorstellen kann oder wer immer noch auf der Kippe steht zwischen Glauben oder Nichtglauben, dem sei das Buch wärmstens empfohlen. Dawkins Hoffnung, dass jeder, der das Buch aufschlägt, nach dem Lesen ein Atheist sei, mag für eingefleischte Gläubige nicht zutreffen. Religiöse “Wackelkanditaten” oder milde Atheisten wird das Buch aber auf jeden Fall ein großes Stück weiterbringen.

Ist Religion von Menschen gemacht?

Viele religiöse Menschen glauben, ihre Religion sei von Gott erschaffen. Tatsächlich ist jeder religiöse Mensch, der das nicht glaubt, nicht religiös im eigentlichen Sinne. Denn was zeichnet die Religion noch aus, wenn nicht der göttliche Touch?

Eines der wichtigsten Argumente, dass Religion von Menschen und nicht von Gott gemacht ist, ist die Tatsache, dass es so viele verschiedene Religionen gibt. Stellen wir uns vor, der allmächtige Gott, Schöpfer des Universums, würde sich entschließen, sich den Menschen zu offenbaren. Wie würde er dies tun?

Würde er sich wirklich einem kleinen Stamm im Nahen Osten offenbaren? Warum? Zur gleichen Zeit waren andere Völker schon Lichtjahre weiter in ihrer Entwicklung, beherrschten Wissenschaften und Künste. Warum hat er nicht diese Menschen ausgewählt. Die Möglichkeiten, die Botschaft zu verbreiten, wären ungleich größer gewesen.

Würde er all seine Weisheit einem einzelnen Mann in einer dürren Wüste anvertrauen? Warum sollte er das tun?

Wenn Gott allmächtig ist, hat er die Möglichkeit, alle Menschen auf der ganzen Welt gleichzeitig anzusprechen. Warum sollte er den um ein Vielfaches ungewisseren und störungsanfälligeren Weg nehmen, sich auf Einen oder eine kleine Gruppe zu beschränken und darauf zu hoffen, dass diese die Distribution übernehmen?

Und wie kommt es dann, dass so viele verschiedene Religionen existieren? Teilweise mögen diese sich inhaltlich überschneiden, aber selbst die drei großen monotheistischen, abrahamitischen Religionen machen untereinander unvereinbare Aussagen über die Eigenschaften, Vorstellungen und Natur Gottes. Ganz zu schweigen, von den mehreren Tausend anderer Götter, die im Laufe der Menschheitsgeschichte auftauchten und wieder verschwanden.

Die Vielfalt der Götter und Religionen ist einer der stärksten Beweise gegen die Existenz eines Gottes. Entweder hat nur EINE Religion Recht oder KEINE. Es ist unmöglich, dass zwei oder mehr Recht haben, da sich ihre Behauptungen gegenseitig ausschließen (Bsp: Jesus = Sohn Gottes?). Anzunehmen, dass eine Recht habe und alle anderen falsch liegen, ist schon unter dem Gesichtspunkt vermessen, dass die jeweils anderen Religionen genauso fest daran glauben, im Recht zu sein. Ist es da nicht viel wahrscheinlicher, dass keiner Recht hat? Dass die Religion von Menschen gemacht wurde?