Monatsarchiv für Juni 2008

 
 

Nach allen Regeln der Bibel leben

A. J. Jacobs, ein amerikanischer Autor, hat genau das versucht, was fundamentale Christen fordern: Er hat nach den Regeln der Bibel gelebt. Nach ALLEN Regeln. Auch den Regeln, die fast niemand kennt und niemand ernsthaft in Betracht zieht. Denn wenn die Bibel das Wort Gottes ist, dürfen wir nichts herauspicken, sondern sollten die Bibel wörtlich nehmen, oder?

Also hat Jacobs hunderte von Regeln aus der Bibel zusammen getragen und versucht, ein Jahr lang danach zu leben. Dabei kamen einige ganz lustige Begebenheiten heraus.

  • Gemäß der Bibel soll man Menschen wegen dutzenden von Gründen steinigen. Allerdings ist die Größe der Steine nicht festgelegt. Also sammelt Jacobs kleine Kieselsteine und sucht sich einen Ehebrecher, um die Erfahrung des Steinigens zu machen. Dummerweise ist der Sünder, den er sich heraussucht, nicht auf den Kopf gefallen…
  • Kleider aus Mischfasern sind laut 3. Mose 19, 19 verboten. Daher hat Jacobs zu Beginn seines Experimentes erst einmal alle seine Kleider weggepackt und sich mit einem gottgefälligen Gewand eingekleidet.
  • Gleiches gilt für die Kopf- und Gesichtsbehaarung (3. Mose 19, 27). Sein neuer Look brachte Jacobs nach eigenem Bekunden “eine Menge Wartezeit in Flughafensicherheitsbehörden ein”.
  • Auch viele weitere nach heutigen Maßstäben unsinnige Gebote versuchte Jacobs einzuhalten. In Mose 15 sind allerlei Beispiele aufgezählt, wann jemand als “unrein” gilt. Übrigens ist auch jemand, der eine nächtliche Ejakulation hatte, bis zum Abend des selben Tages unrein… Natürlich sind auch menstruirende Frauen unrein und niemand darf sitzen, wo eine Frau während ihren Tagen gesessen hat (3. Mose 15, 23). Da dies aber z.B. in öffentlichen Verkehrsmitteln oft schwer zu bewerkstelligen ist, hat Jacobs sich kurzerhand einen Klappstuhl besorgt und immer bei sich getragen. Seine Frau war übrigens weniger verständnisvoll und hat sich während ihrer Tage auf jede Sitzgelegenheit im Haus gesetzt, so dass Jacobs während dieses Jahres unverhältnismäßig viel stehen musste :-)

Der Autor wurde zu den Google Talks eingeladen und erzählte dort weitere lustige und interessante Erfahrungen seines Bibel-Jahres.

Die Pascalsche Wette….

Es ist vernünftiger, an Gott zu glauben, als nicht an ihn zu glauben. Denn wenn man an ihn glaubt, und es gibt ihn nicht, hat man nichts verloren. Gibt es ihn, hat man ein Leben in ewiger Glückseeligkeit gewonnen.

Glaubt man aber nicht an ihn, obwohl es ihn gibt, hat man es sich für alle Zeiten verscherzt und wird auf ewig im Höllenfeuer schmoren.

Frei formuliert ist dies die These, die der Philosoph Blaise Pascal zugunsten des Gottesglaubens aufgestellt hat. Klingt eigentlich ganz logisch, oder?

Allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen. Denn die These geht davon aus, dass Gott blinden Glauben schätzt. Was aber ist,

  • wenn Gott  ein Wissenschaftler ist, der rationales Denken und natürliche Erklärungen höher bewertet als blinden Glauben? Wie könnte der Schöpfer des Universums mit all seinen Naturgesetzen, Feinheiten und Beständigkeiten KEIN Wissenschaftler sein?
  • wenn Gott es gar nicht so toll findet, dass jemand aus Angst an ihn glaubt? Die ganze Wette basiert auf der Angst vor ewiger Verdammnis und somit auf reiner Berechnung. Echter Glaube ist das nicht. Und ein Gott, dem kindlicher Glaube so wichtig ist, wird sich damit mit Sicherheit nicht zufrieden geben.
  •  wenn der Gott im Himmel gar nicht der christliche Gott ist? Wenn es sich nun in Wirklichkeit um Zeus, Wotan oder Allah handelt? Oder schlimmer noch: Was, wenn es nun einer der Konkurrenten Gottes aus dem alten Testament ist, ebenso eifer- und rachsüchtig wie JHWE? Was, wenn der wirkliche Gott Bahl ist?

Alles in allem lässt sich festhalten, dass Pascals Wette zwar ein gut gemeinter Versuch der Untermauerung des Gottesglaubens ist, einer näheren Untersuchung aber nicht stand hält. Wie auch immer ein eventueller Gott aussehen könnte, viel wahrscheinlicher ist, dass er Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit höher schätzt, als einen geheuchelten und berechnenden “Glauben”  .